Marquisen 2 vorher | nachher
zurück zum Logbuch
Die zurückgelegte Distanz in den Marquisen beträgt 255 Meilen (472 km)

April - Mai 2014

Nach einer etwas ruppigen, 12 stündigen Überfahrt erreichen wir die grosse Bucht von Taiohae in Nuku Hiva, der grössten Insel der Marquisen. Wir sind nicht allein, zählen mindestens 50 weitere Boote.

Claudia hat seit längerer Zeit Zahnschmerzen und es gibt auf den Marquisen nicht Zahnärzte wie Sand am Meer. Derjenige auf Hiva Oa war im Urlaub. Zum Glück ist der ortsansässige Zahnarzt da und schaut sich das Übel umgehend an. Der Termin für die Wurzelbehandlung steht in 4 Tagen.

Da haben wir gerade Zeit, einen Abstecher in die 5 Meilen entfernte Bucht von Hakau’i, auch Daniels Bay genannt, zu machen. Was uns dort erwartet ist ein kleines Paradies. Die wenigen Einwohner haben aus der Talebene einen einzigen grossen Garten aus Früchten und Gemüse gemacht. Die Vegetation ist einmalig.

Wir begeben uns auf eine Wanderung bis zum Vaipô Wasserfall, mit 350 m der dritthöchste der Welt.

Kleine Steinhäufchen weisen uns den Weg, entlang welchem wir frische Limonen und wilde Chilischoten pflücken. Nach 1 ½ Stunden erreichen wir einen kleinen See am Fuss des Wasserfalls und springen in die wohlverdiente Abkühlung.

Auf dem Rückweg lädt uns Monette spontan zu einer Citronade und gebratenen Bananen ein. Bedauerlicherweise müssen wir den wunderschönen Ort viel zu früh verlassen, um zurück nach Taiohae zum Zahni zu fahren.

 

Die röm. kath. Kathedrale "Notre Dame des Iles Marquesas" mit ihrer schönen Eingangstür und Skulpturen aus Holz.

So schön wie es hier tagsüber an Land ist, so schlecht sind die Nächte an Bord. Der Südschwell lässt uns Hin- und Her-Rollen. Wir setzen dem Spiel ein Ende und fahren in den Nordosten nach Anaho, in eine der geschütztesten Buchten der Marquisen.

Taiohae

 

Hatiheu

Von Anaho kann man ein paar schöne Wanderungen unternehmen. Innerhalb von 2 Stunden (inkl. vielen Verschnaufpausen) gelangen wir nach Hatiheu. Die Kulisse ist wiederum traumhaft. Per Zufall treffen wir eine norwegische Familie (SY Pliosaurus, Ovni 495), mit der wir in regelmässigem Funkkontakt während der Überquerung waren. Sie haben ein Auto gemietet und fahren uns zu einer etwas höher gelegenen archäologischen Stätte. Dort besichtigen wir die Tohuas, das sind Begegnungsplätze, sowie eine Plattform, wo früher menschliche Opferungszeremonien (paepae Meae) stattfanden.

 

Ein gigantischer Banianbaum.

Tiki

 

Schlafstätte

Im Dorfrestaurant von Hatiheu stärken wir uns für den Rückweg. Ein Teller reicht völlig für zwei, denn die Portionen sind enorm. Kurzer Stopp im Dorfladen, wo es das Nötigste zum Einkaufen gibt, dazu kostenlos Pampelmoussen frisch vom Baum gepflückt.

Der Rucksack ist schnell voll und schwer. Es hat gerade noch Platz für die Mangos, die wir unterwegs pflücken. Die am Boden liegenden sind oft schon angefressen oder zermatscht, also muss sich Thierry gut strecken, um an die noch hängenden zu gelangen.

Nach ein paar Tagen Nichtstun, Lesen und Baden unternehmen wir einen etwas kürzeren Spaziergang zur anderen Seite der Bucht, wo die Farm liegt, die den Markt von Taiohae jeweils am Mittwoch und Samstag beliefert. Da die Einheimischen aber Ober-Frühaufsteher sind, gibt es ab 05h00 fast nichts mehr in den Regalen. Hier können wir in aller Ruhe einkaufen, müssen dafür das Gemüse und die Früchte etwas weiter zum Boot tragen.

Anaho

Einkaufen frisch ab Feld.

Es gibt noch zwei Inseln, die wir nicht besucht haben. Ua Huka im Osten, dessen Ankerplätze aber relativ gefährlich und sehr rollig bei der aktuellen Windlage aus Südosten sind, und Ua Pou im Süden. So machen wir uns auf den Weg nach Ua Pou. Die Überfahrt ist ziemlich unangenehm mit viel Wind und einer geformten See. Der Hauptort Hakahau im Nordosten bietet hinter der Hafenmole guten Schutz.

"Ruderclub" von Ua Pou

Die Vegetation weicht von den anderen Inseln ab, denn es regnet viel weniger. Trotzdem bekommen wir die Berggipfel nicht viel zu sehen, da sie oft von Wolken umgeben sind. Es liegt bestimmt an der Trockenheit, dass hier kein Gemüse wächst. Diese Regale bleiben in den sonst gut gefüllten Läden leer und werden erst wieder aufgefüllt, wenn die Aranui 3 oder Taporo im 3 wöchentlichen Turnus Ware bringen. Die Früchte hingegen liegen nur so am Boden rum und verfaulen. Wir lassen uns nicht zweimal bitten und sammeln so viel wie möglich ein, denn in den Tuamotu, unserer nächsten Station, gibt es das nicht mehr.

Sonntäglicher Ausflug mit den Pferden mit anschliessendem Badeplausch.

Seit wir in einem kleinen, etwas fragwürdigen Snack gegessen haben, leidet Thierry an Magenstörungen. Claudia konsultiert den Inselarzt, der jeden Morgen an unserem Boot vorbei schwimmt. Er meinte, dass wir besser ins örtliche Gesundheitszentrum gehen sollten, da kürzlich einige Salmonellen-Fälle diagnostiziert wurden. Wir folgen dem Rat und verlassen ein paar Stunden später das Gesundheitszentrum mit einem Teil der Medikamente. Die fehlenden Tabletten treffen 2 Tage später (an einem Samstag) per Flugzeug aus Tahiti ein.

Wie mit der Krankenschwester vereinbart, rufen wir sie an diesem Tag zu Hause an. Kurz darauf trifft sie mit ihrem Auto im Hafengelände ein und übergibt uns nebst dem Rest der Medikamente ein paar Pampelmoussen und Mangos aus ihrem Garten, gedacht für unsere Umtriebe...

Die Aranui 3 wird sehnlichst erwartet. Zum ersten Mal findet ein kleines Dorffest statt.

Die Gemeindemitarbeiterin hat sich zu diesem Anlass das Festkostüm angezogen und berichtet über die Tradition der Insel.

Anschliessend finden ein paar wenige Tänze im Freilicht-Theater statt.

Etwas in der Anhöhe hat es eine kleine Pension namens Pukue’e. Bei einer Getränkekonsumation können wir uns auf die Terrasse setzen und den Internetzugang mitbenützen. Dabei geniessen wir eine tolle Aussicht und können zugleich ein Auge auf unser Boot unten in der Bucht werfen.

Jérôme, Besitzer und ausgewanderter Franzose, bietet auch Tagestouren an. Er fährt uns entlang der Westküste bis Hakahetau und erzählt uns auf dem Weg viel Interessantes über Geologie, Umwelt, marquisische Kultur und Botanik. Wir verbringen einen ausgezeichneten Tag mit ihm. 

Mittagessen bei Pierrot in Hakahetau

 

Wasserfall Vaiea in Hakahetau

Seit ein paar Tagen verfolgen wir wieder einmal mehr das Wettergeschehen. Die Zeit auf den Marquisen geht dem Ende entgegen und neue Abenteuer auf den 500 Meilen entfernt liegenden Tuamotu erwarten uns.

Am 26. Mai ist es soweit. Um 06h00 morgens lichten wir den Anker und verlassen die Marquisen mit einem weinenden Auge. Der fast zweimonatige Aufenthalt war einmalig. Noch selten haben wir so freundliche Menschen kennen gelernt wie hier.

Nächster Bericht: von den Marquisen zu den Tuamotu vorher | nachher
zurück zum Logbuch