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Die Distanz zwischen Isabela und Fatu Hiva beträgt 3000 Meilen (5'556 km)

März 2014

Die wunderschönen Tage auf den Galapagos-Inseln gehen dem Ende entgegen. Seit über 2 Wochen geniessen wir den tollen Ankerplatz in Puerto Villamil.

Zusammen mit Freunden unternehmen wir eine letzte Inselbesichtigung und fahren in das Vulkangebiet der Sierra Negra. Der Vulkankrater ist 250 m tief und wir können uns ca. 30 Meter ins Loch abseilen.
Am Tag vor unserer Abfahrt zu den Marquisen lassen wir uns mit dem Taxi zu einer im Hinterland gelegenen Gemüseplantage namens Troja fahren. Bewaffnet mit einem Einkaufskorb laufen wir zusammen mit dem Mitarbeiter durch die Plantage und zeigen auf das Gemüse oder die Früchte, die wir gerne eingekauft hätten. Wir sind erstaunt, was da so alles wächst: Passionsfrucht, Ananas, Papaya, Melonen, Zitronen, Mangos, Gurken, Tomaten, Bohnen, Auberginen, Kohl etc.
Bananen und Ananas
Ein Mitarbeiter der Farm Troja pflückt für uns Früchte und Gemüse.
 
Zurück auf dem Boot verstauen wir das Gekaufte, prüfen nochmals das Rigg, die Navigationslichter und putzen das Unterwasserschiff.

Donnerstag, der 13. März ist ein grosser Tag für uns. Obwohl die etablierten Passatwinde erst 300 Meilen südlicher blasen und wir immer noch kleine elektrische Sorgen zwischen dem Stromverteiler, der Lichtmaschine und dem Anlasser haben, lichten wir den Anker um 14h00.

Eine ausserordentliche Tierwelt scheint sich von uns zu verabschieden. Kaum haben wir die Bucht von Villamil verlassen sehen wir Mantas gefolgt von einem Hammerhai und Delfinen. Claudia sieht sogar noch einen Wal abtauchen! Im Himmel findet ein Tanz der Vögel statt. Pelikane, Fregatten, Tölpel und viele andere fliegen und tauchen ins Wasser ein. Ein gutes Omen für die 3000 Meilen, die vor uns liegen.

Die ersten 10 Stunden können wir unter Segel zurücklegen. Ab dann übernimmt der Motor für die nächsten 2 Tage. Eine zweite Konvergenzzone hat sich südlich von uns etabliert. Sie bewegt sich langsam mit uns und verhindert zuerst, dass wir die so erhofften Südost-Passatwinde erreichen. Nördlich dieser Konvergenzzone bläst der Wind endlich wieder, aber aus Norden. Die Segel sind schnell gesetzt und der Kurs gegen Westen angepasst. Wir sind froh über den Wind, denn wir haben schon einen Drittel des Dieselvorrates verbraucht und es liegen immerhin noch 2700 Meilen vor uns.

Die folgenden 3 Tage bringen uns viel Regen und Squalls. Der Himmel ist bedeckt, aber wenigstens kommen wir gut vorwärts. Auch das Meer ist uns wohlgesinnt und der lang gezogene Schwell von ca. 2 m ist mehr als ertragbar.

Nach einer Woche stellen wir fest, dass unser LED-Navigationslicht auf dem Masttop den Geist aufgegeben hat. Thierry prüft die Kabelverbindungen bis zum Mastfuss – alles scheint in Ordnung zu sein. Vielleicht wurde auch die Elektronik der LED-Lampe mit dem letztjährigen Blitzschlag beeinträchtigt, denn die Lebensdauer sollte 100‘000 Stunden betragen und da sind wir weit davon entfernt.

Natürlich haben wir noch die Navigationslichter vorne im Bug, die verbrauchen aber sehr viel Strom. So segeln wir nachts im Dunkeln und sind gezwungen, genau Wache zu halten. Regelmässig schalten wir das Radargerät ein und prüfen, ob sich noch andere, vielleicht auch unbeleuchtete Boote in unserer Gegend befinden. 

Aufladen der Tschibo-Gartenlampen
 
Schweizer z'Vieri: Zopf mit Parfait und Gürkli

Die Passatwinde haben uns endlich erreicht oder wir sie. Sie sind weder regelmässig in der Stärke noch in der Richtung. Wir verzeichnen abrupte Geschwindigkeitsänderungen von 15 auf 25 Knoten, was uns nicht erlaubt, den Gennaker zu setzen. Die Winddrehungen bis zu 30 Grad zwingen uns immer wieder zu mühsamen Manövern, da wir vor dem Wind mit ausgebaumter Genua segeln. Eine Winddrehung von 20 Grad bedeutet, dass wir die Genua auf die andere Seite und den Spibaum wegnehmen müssen. Diese Manöver halten uns auf Trab, Tag und Nacht. 

Den Rest der Zeit verbringen wir mit Ausruhen, Kochen, Lesen, Positionseinträgen, Wetteranalysen und Funken. Seit Panama sind wir täglich in Kontakt mit Günter von Intermar (Kurzwellenfrequenz 14'135 Khz, 02:00 UTC), einem deutschen Radio-Amateur aus Costa-Rica, der die Segler über Funk begleitet und ihnen Ratschläge und Wetterinformationen bis weit über die Marquisen hinaus gibt.

 
Täglich trägt Thierry die Position auf der Überfliegerkarte ein.
 
Vor dem Wind in Schmetterlingstellung

Die ersten zwei Wochen segeln wir mit Hilfe der Windsteueranlage (Windpilot), doch dann hält eine der beiden Schrauben am Radadapter nicht mehr (galvanische Korrosion des Gewindes). Mit einer Schraube allein ist es nicht möglich, den Adapter genügend zu blockieren und das Boot luvt automatisch an (geht in den Wind). Deshalb greifen wir auf den Autopiloten zurück, müssen aber pro Tag den Motor 1 bis 2 Stunden laufen lassen, um die Batterien zu laden, da die Solarpanelen ab 14h00 im Schatten des Grosssegels liegen und der Autopilot ziemlich energieverbrauchend ist.

Am 17. Tag verlässt uns der Wind wieder für eine Weile und das Lüftchen von Volvo mit 1600 Umdrehungen begleitet uns. Ohne Wellen, ohne Wind und mit einem sauberen Rumpf kommen wir normalerweise mit 6 Knoten vorwärts.  Aber heute bringen wir es kaum auf 5.  Thierry schaut von der Badeplattform unters Wasser und sieht, dass der Rumpf mit Entenmuscheln übersät ist. Kurzentschlossen springt er angebunden ins 3000 m tiefe Wasser und versucht während einer halben Stunde mit einem Eisschaber die unerwünschten Gäste wegzukratzen. Kein einfaches Unterfangen, denn das Meer ist doch nicht ganz flach und das Boot bewegt sich gefährlich hin und her. Eine einmalige, erfrischende, aber erfolglose Aktion.

Laaaand in Sicht!

Am Morgen des 21. Tages machen wir in der Ferne die Berge von Fatu Hiva aus, der südlichst gelegenen Insel der Marquisen. Und zum ersten Mal während der 3 wöchigen Überfahrt mussten wir die Segelstellung während den letzten 24 Stunden nicht ändern.

Überflüssig zu sagen, dass wir überwältigt und glücklich sind. Via Norden segeln wir der Insel entlang und bestaunen die Bergkonturen mit der üppigen Vegetation.
Am Donnerstag, 3. April 2014, 3 Wochen und 3000 Meilen später setzen wir um Punkt 14h00 (Schweizer Präzision) den Anker in der berühmten Baie des Vierges.  

Hier noch etwas Statistik:

- Zurückgelegte Meilen: 3‘000 (nicht mehr und nicht weniger) in 21 Tagen. Die direkteste, kürzeste Route beträgt 2‘906 Meilen.
- Durchschnittsgeschwindigkeit: 6 Knoten
- Maximale Windgeschwindigkeit: 34 Knoten (in einem Regenschauer mit Böen)
- Bestes Etmal (von 12h00 bis 12h00): 180 Meilen
- Schlechtestes Etmal: 117 Meilen
- Motorstunden: 87,5 davon 22 um die Batterien zu laden
- Fischfang: Null. Zwei Bisse während den letzten 5 Tagen, aber wieder verloren
- Gesehene Schiffe: 3
(ein Cargo, unterwegs von Chile nach Korea; ein Cargo namens Ocean Pearl mit sympathischer türkischer Mannschaft unterwegs von Vancouver nach Brasilien via der Magellan Strasse; ein suspektes Boot plötzlich aus einem Regenschauer auftauchend, vermutlich ein Fischer, ohne Funkkontakt)
- Jeden Tag sahen wir Vögel und das, obwohl die nächste Küste zeitweise 1500 Meilen entfernt lag. So etwas erlebten wir bei unserer Atlantik-Überquerung nicht.

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