Vereinigte Staaten, 2. Teil vorher | nachher
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Deltaville
227 Meilen (420 km) zwischen Deltaville und Beaufort, NC

September - November 2012

Seit unserem letzten Newsletter hat Vanupieds nicht viele Meilen zurückgelegt. Wir haben eine kleine Werft gefunden, wo wir unser Boot für einige Wochen herausnehmen und einige Unterhaltsarbeiten erledigen konnten. In den Vereinigten Staaten gibt es nur wenige Werften, wo die Bootseigner selber an ihren Booten arbeiten dürfen. Stingray Point Boat Works in Deltaville, im Bundesstaat Virginia, gehört zu den raren Ausnahmen.

Als wir im Sommer hier hin kamen, hatten wir vor, die Bucht der Chesapeake gründlich zu erkunden, ja wir wollten sogar bis nach New York segeln. Aber nach der langen, sehr interessanten Motorfahrt entlang des ICWs (Intra Coastal Waterway) und der erstickenden Hitze von Juni/Juli/August war uns die Motivation etwas ausgegangen.

Hinter dem Deltaville Maritime Museum gibt es einen schönen Park mit Pavillon.

So stand uns sehr viel Zeit zur Verfügung, eine Augenklinik zu suchen, wo wir unsere Augen operieren lassen konnten. Zuerst haben wir eine Klinik in der Nähe von Washington gefunden. Aber als wir dort zum vereinbarten Rendez-vous eintrafen, stand das Gebäude im Dunkeln, kein Lift funktionierte, weil eine Strompanne seit Stunden alles lahm legte. Nicht sehr vertrauenswürdig für eine Laser-Operation. Kurzum, die Abklärungen konnten nicht gemacht werden und deshalb suchten wir eine Klinik in der näheren Umgebung.

In der Cullom Augenklinik, Williamsburg, passierte das Gleiche, nur nach den Tests. Ein Gewitter erzeugte den Stromausfall. Der Arzt versicherte uns unter dem Schein der Taschenlampe, dass im Operationssaal ein Generator steht, der im Falle eines Unterbruchs überbrückt. Sind das Zeichen von "Oben", sollen wir die Eingriffe etwa nicht machen?

Die Operationen sind gut verlaufen. Claudia hatte die Intralase Methode, Thierry die PRK, weil seine Hornhaut zu dünn für eine Intralase gewesen wäre. Es ist angenehm, beim Aufwachen nicht mehr die Brille suchen zu müssen.

Zuerst fahren wir vorwärts in die Schlingen rein, dann rückwärts, weil der Travellift zu kurz ist und wir sonst das Vorstag (Kabel, welches den Mast nach vorne hält) hätten abmontieren müssen.

So passts.
 
3 Monate ICW und das Sieb ist voll mit Schnecken.

Korrosion an der Ruderhydraulik.
 
Die 60 m lange Ankerkette ist nach 3 1/2 Jahren bereits gerostet.

Stingray Point Marina mit Swimmingpool und Clubhaus.
 

Diverse Farbkorrekturen müssen gemacht werden. Eine etwas mühsame Prodzedur.
   

Ah, diese chinesischen Fahrräder - schon der dritte Platten.
 
Bei uns in der Koje ist es wärmer.
 
Zum kanadischen Erntedankfest am 8.10. sind wir bei Chris und Tom von Polar Pacer eingeladen.

Anfangs Oktober besuchten wir die Bootsmesse in Annapolis. Auf dem Weg dahin machen wir bei einer Tankstelle eine Kaffeepause. Vor uns befindet sich ein sehr sophistischer Automat mit Touchscreen und grosser Auswahl: amerikanischer Filter-Kaffee, Moccachino, Cappuccino, Frappuccino, Café Freddo, Espresso. Wir wählen einen Espresso. Dann können wir die Aromen hinzufügen: Vanille, Caramel, Mandel, Zimt oder sogar zeitgemäss, da Herbst, Kürbis (!). Wir belassen es dabei. Weiter zur Zuckerwahl: dunkler Zucker, weisser Zucker, Aspartame, Saccarine, Stevia. Wir wählen dunklen Zucker. Achtung, wir sind noch nicht fertig, weil jetzt können wir noch die Milch auswählen: Vollmilch, 2 %, Mager, Soja und mehr. Es gibt kein Rahm, wir wählen Vollmilch.

Ah, endlich ist die Bestellung bereit, wir suchen die Stelle, wo der Pappbecher (keine Tassen) herauskommt. Nichts dergleichen. Aus einem Schlitz erscheint ein Ticket, mit dem wir erst an die Kasse gehen und den geschuldeten Betrag begleichen müssen. Das Ticket ist mit „bezahlt“ abgestempelt und nun dürfen wir uns in die Schlange stellen, wo die Kaffeeausgabe stattfindet. Nach ein paar Minuten stellen wir fest, dass wir in der falschen Schlange warten, die Kaffeeausgabe erfolgt auf der anderen Seite. Zum Wohl, jetzt bräuchten wir einen doppelten Espresso.

Wir kehren ohne Einkäufe von der Bootsmesse zurück, obwohl wir ziemlich lange zögerten, einen Spi-Parasailor zu kaufen. Das enorme Volumen und der noch grössere Preis haben uns vom Kauf abgehalten.

Thierry montiert zusammen mit Tom die angefertigten Spanplatten und danach das Bettsystem von Froli.

Die Arbeiten am Boot sind beendet und wir planen nach der Einwasserung den Potomac-Fluss hochzufahren, um Washington D.C. zu besuchen. Leider verschlechtern sich genau auf diesen Zeitpunkt die Windverhältnisse, es wäre wieder ein volles Gegenan gewesen und so entscheiden wir uns, Washington über das Wochenende per Auto zu besichtigen.

Die Stadt ist viel touristischer, als wir uns vorgestellt hatten. Die Monumente sind überfüllt mit Chinesen, Spaniern, natürlich Amerikanern, die kurz vor der Wahl noch in die Hauptstadt wollen, und mindestens zwei Schweizern. Sämtliche Museen entlang der Mall, zwischen dem Lincoln Memorial und dem Kapital, sind kostenlos. Um alle besichtigen zu können, bräuchten wir Wochen, so entscheiden wir uns für einige und denken, einen guten Eindruck erhalten zu haben. Zu Fuss spazieren wir durch Quartiere, besuchen das Kapitol, stehen auf beiden Seiten vor dem gut bewachten Weissen Haus und fahren durch den animierten Stadtteil Georgetown und die Botschaften-Strasse. Der Kurzaufenthalt hat uns sehr gut gefallen.

 
Arlington Friedhof

Das Grab von John F. Kennedy uns das seiner Frau Jacqueline.
 
Washington Monument

Unerwartete Begegnung mit dem wiedergewählen Präsidenten.

   

Verschnaufpause im Botanischen Garten.
 
Smithsonian Castle

Air and Space Museum
 
Auch die Schweiz ist mit Bertrand Piccard vertreten.

Hummer Stretchlimo
 
US Kapitol

Wunderschöne Herbstbäume
 
Die neue Berichterstatterin live aus Washington.

Das Weisse Haus
 
Im Lafayette-Park hinter dem Weissen Haus tut einer seine Meinung kund.

Zurück ins Hotel mit der Metro. Nächster Stopp: Pentagon City

Lincoln Memorial

Reflecting Pool mit dem Washington Monument
   

Naturhistorisches Museum

Nach der Einwasserung verlassen wir Deltaville nach gut 4 Monaten wieder Richtung Süden. Die Sonne scheint herrlich, die Temperaturen sind aber drastisch gesunken und wir nehmen das erste Mal seit 3 Jahren wieder das Ölzeug hervor, welches es nötig hatte, durchgelüftet zu werden.

Ein verspätetes tropisches Tief namens «Sandy» beginnt sich in der Karibik zu formen und der weitere Verlauf des Weges könnte uns betreffen. 

Halloween steht vor der Tür.
 
Es ist Kürbiszeit.

Eine von den vielen Kirchen.
 
Nach ein paar Tagen in Hampton überqueren wir die Chesapeake Bucht und werfen einen Blick auf die grosse amerikanische Kriegsflotte, die in Norfolk stationiert ist.
Erneut finden wir einen Platz im kleinen Hafenbecken von Portsmouth. Langsam, aber sicher beginnen wir uns ernsthafte Sorgen wegen «Sandy» zu machen, deren Verlauf genau auf die Chesapeake Bucht zielt. Zwar sind wir gut an den Pfosten angemacht, wenn wir aber Fotos von Hurrikan Irene (2011) anschauen, liegen diese Pfosten unter Wasser.

Historische Häuser in Portsmouth.

   

Schlussendlich entscheiden wir uns, Schutz im ca. 15 km entfernten und südlich liegenden Dismal Swamp Kanal zu suchen (Deep Creek, Elizabeth Dock). Der Wasserstand wird in diesem Kanal von 2 Schleusen reguliert, von dieser Seite her wären wir also geschützt und zudem blockieren viele Bäume den Wind.
 
Bob, der super nette Schleusenwart, bereitet für die Segler das Frühstück vor.
Thierry, der allerliebste Ehemann, vertreibt sich die Zeit mit lesen.
 
Täglich verfolgen wir die weitere Entwicklung von Hurrikan "Sandy", auch Frankensturm genannt, wegen der kalendarischen Nähe zu Halloween (31.10.). Das Auge befindet sich mehr als 150 Meilen östlich von uns entfernt, aber der weitere Verlauf bringt den Hurrikan näher an die Küste heran. Der Wind wird mit 25 Knoten angekündigt, mit Böen um die 50 Knoten. Wir registrieren eine Böe am Masttop mit 30 Knoten, aber auf Cockpit-Höhe ist der Wind so schwach, dass sich nicht mal unser Windgenerator dreht. Nur der 3 Tage anhaltende Regen und die Kälte lassen uns an Bord bleiben. 
Der Sturm ist vorbei, das schöne Wetter kommt zurück und wir können unsere Weiterfahrt Richtung Süden entlang des ICWs bis Beaufort aufnehmen.
Dismal Swamp Kanal im November.
 
Beaufort, North Carolina
 

Samstag, 10. November 2012: Es ist kalt an Bord und höchste Zeit, die Heizung einzuschalten.

 

 

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