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Die zurückgelegte Strecke zwischen Jamaika und Kuba 372 Meilen (689 km).

Januar 2012

 
Einige Tage nach dem vorüberziehen einer Kaltfront, brechen wir nach Brac auf, die östlichste der drei Cayman Inseln. So angenehm und schnell die Überfahrt verlief, so unangenehm gestaltete sich die Ankunft. Vor Creek, dem Einklarierungshafen, waren die zwei einzigen Bojen schon belegt.
Es gibt keine Marina und ankern darf wegen dem Korallenriff nicht. Die Hafenmeister ermunterte uns, am Haken der verbleibenden rostenden gelben Tonne anzumachen oder halt hin- und her zu fahren, bis Zoll und Immigration am Ufer erscheinen. Trotz starkem Wind und Wellengang gelingt es uns nach mehrmaligen Versuchen, erst mit dem Heck, dann mit dem Bug, die Leine über den Haken zu werfen. Die Formalitäten an Land auf einer Parkbank sind schnell erledigt. Danach verlassen wir Creek schnellstens, um einen ruhigeren Platz im Westen der Insel zu suchen. Die kurze Zeit an dem rostigen Haken genügte, um uns die Leine fast durchzuscheuern. 
 
 
Parallel der Küste sind etliche Bojen für Tauchboote ausgelegt, die wir kostenlos benützen dürfen. Leider bietet keine davon genügend Schutz vor dem Wellengang. Der Wind bläst nämlich genau der Insel entlang. Es hat eine ganz kleine Bucht im Süden, geschützt hinter einem langen Korallenriff, aber die Einfahrt ist sehr heikel. Es gibt dort wenig Tiefe und man muss nach der Passage ganz schnell nach rechts abdrehen. Mit hochgezogenem Schwert und Ruderblatt würden wir zwar durch die Passage kommen, das Boot wäre aber nicht mehr manövrierfähig und so lassen wir es lieber bleiben.
Was für ein Gebiss haben wir den hier?
 
 
Spuren die ein Hurrikan hinterlassen hat.
Bereits ist eine weitere Kaltfront angekündigt. Der Entschluss ist schnell gefasst, wir brechen nach Kuba auf, bevor uns die Front trifft. Wir bedauern es, dass wir kaum Zeit hatten, die tolle Unterwasserwelt und die Insel mit ihren netten Einwohnern besser entdecken zu können. 
 
 
Nach rund 27 Stunden erreichen Cayo Largo, einer der offiziellen Einklarierungshafen Kubas. Mit Vorsicht folgen wir unserem nicht mehr ganz aktuellen Segelbuch (Nigel Calder 1999). Wie sich später herausstellt, sind die Angaben immer noch korrekt und sogar genauer als die Navionics-Karten aus dem Jahr 2010. Über Funk kündigen wir unsere Ankunft bei der Marina Marlin an.

Was für ein Empfangskomitee der Behörden: Als Erstes stattet uns der Arzt einen Besuch ab, will wissen, ob wir gesund sind und alles an Bord ok ist.  Als Nächstes kommt ein Zöllner mit seinem Drogenhund an Bord. Der Hund geht den Niedergang runter und schnüffelt schwanzwedelnd in jeder Ecke. Er springt sogar auf unser Bett und wenn der Zöllner nicht eingegriffen hätte, hätte sich dieser (der Hund) noch in unseren Laken gewälzt.  Diesen Teil der Kontrolle bestehen wir ebenso.

Dann machen es sich 5 Uniformierte in unserem Cockpit gemütlich. Darunter sind ein Vertreter des Zolls, der Küstenwache, der Immigration, des Hafenmeisters und sonst noch einer, dessen Funktion wir nicht ausmachen konnten. Die vergnügte Runde füllt fleissig Papiere aus, stellt Fragen, oft die gleichen, und besichtigt das Boot. Die ganze Prozedur verläuft sehr freundlich.

Sind wir jetzt fertig? Nein. Es folgen noch der Veterinär und ein Inspektor vom Landwirtschaftsministerium. Claudia nimmt die schwierige Aufgabe auf sich  und zeigt den Herren unser Gemüse und den Kühlschrankinhalt.  Wir werden gebeten, die Abfälle zu trennen (das ist keine grosse Herausforderung) und vor allem die Eierschalen separat in einem Beutel zu verschliessen.

Dann ist es soweit: Bienvenido a Cuba. Wir dürfen offiziell vom Boot runter. Entgegen allen Gerüchten dauerte das Einklarieren nur 1 1/2 Stunden!

Natürlich werden wir zur Kasse gebeten und kaufen am nächsten Tag bei der Bank konvertible Pesos (CUC) sowie Marken. Damit begleichen wir die Navigationsbewilligung, Visas und das Erscheinen der vielen Männer.


 
   
Hüttchen für nationalen und internationalen Abfall.
 

Die Kaltfront hat uns mittlerweile erreicht, der Wind bläst um die 30 Knoten und bringt die Luft- und Wassertemperatur für unsere Verhältnisse zum Einsturz. Während ein paar Tagen müssen wir doch tatsächlich Fleesjacken anziehen und nachts unter dem Duvet schlafen.


 

Cayo Largo ist eine typische Feriendestination für Kanadier, Italiener und Russen. Die wenigen Kubaner, die auf der Insel sind, arbeiten fast ausschliesslich in den Hotelanlagen. Nachdem wir ausgiebig von den schönen, weissen Sandstränden und dem türkisfarbenen Meer profitiert haben, lichten wir nach rund 10 Tagen den Anker. Unser nächstes Ziel heisst  Cienfuegos und liegt ca. 80 Meilen entfernt.


 
Von nun an und für die nächsten 500 Meilen (926 km) werden wir den Wind mehrheitlich auf die Nase bekommen. Die dominierenden Windrichtungen bei Passatwetterlage sind das ganze Jahr über zwischen Nordost bis Südost mit thermischen Einflüssen. Wir müssen deshalb täglich mit diesen Windvariationen zurechtkommen.
 

Zwei Etappen später, gegen Mitternacht, ankern wir vor der Marina Marlin in Cienfuegos (im Süden Kubas heissen alle Marinas «Marlin»). Am nächsten Morgen, Freude herrscht, fängt die Prozedur mit den Behörden wieder von vorne an, aber nie in dem Ausmass wie in Cayo Largo.

Ausgangs der Marina werden wir sofort von ein paar Kubanern angesprochen, die uns mit dem Bici-Taxi ins Zentrum fahren wollen. Dieses Transportmittel, eine Art Dreirad, wurde Ende der 80iger Jahre eingeführt, als nach dem Fall der Mauer der Benzinhahnen von den Russen zugedreht wurde.
 
 
Cienfuegos ist eine pulsierende Stadt. Die Strassen sind sauber und die Kubaner sehr freundlich.

 

Wir essen in staatlichen Restaurants und bezahlen mit nationalen Pesos (moneda national). Für einen konvertiblen Peso (CUC) erhält man 24 nationale Pesos, das sind ungefähr 1.-- CHF/0.80 Euro.
 
 

So schlecken wir bei der Landes-Kette Coppelia Eis, wo die Kugel 2 Rappen kostet, oder schnappen uns eine Pizza, die fast in jeder Strassenecke für rund 40 Rappen verkauft wird.

Ebenso besichtigen wir verschiedene Sehenswürdigkeiten und beobachten das Treiben von einem der Strassencafés.

Da wir auch das Landesinnere bereisen wollen, ergattern wir einen der letzten Marinaplätze, machen Vanupieds wie es sich gehört fest und packen die Koffer. Auf dem Programm stehen Vinales und Havanna.

 
   
Thierry ist in seinem Element.
   

Zusammen mit unseren Freunden Heidi und Robert organisieren wir ein Taxi, welches uns in einer 5-stündigen, rasanten Fahrt nach Vinales bringt.

Die im Reiseführer empfohlenen Casa Particulares sind schon alle besetzt (Casa Particular: Einheimische vermieten 1 - 2 Zimmer an Touristen und sichern sich somit einen kleinen Nebenverdienst). Aber in Vinales ist praktisch jedes Haus ein Casa Particular und wir finden im Zentrum des Dorfes eine nette Bleibe beim Dorfarzt.

Dass wir auf dem Land sind, bekommen wir auch nachts zu hören. Die Hähne bieten ein tolles Konzert. Unser Gastgeber hat Nachbars Hahn «Pavarotti" getauft. 

 
 

Aktivitäten rund um den Dorfplatz in Viñales.

   
   

Nach dem reichhaltigen Frühstück begeben wir uns auf einen langen Spaziergang und entdecken dabei die eindrückliche Mogoten-Landschaft. Die Hügel sehen aus wie kleine Zuckerhüte, sie bestehen aus Kalkstein und oft durchdringt sie ein Höhlensystem.

 
   
   
 

Der Weg führt uns durch Tabakfelder und Bananenplantagen.

   
 

Zigarren rauchende Bauern auf Fahrrädern, hoch zu Ross oder auf einem von Ochsen gezogenen Karren kreuzen unseren Weg. Die Zeit scheint hier vor mehr als 50 Jahren stehen geblieben zu sein.

   
   
Kubanische öffentliche Transportmittel.
 

Anderntags geht es auf einen mehrstündigen Reitausflug. Meistens im Schritttempo, manchmal etwas unsicher im Sattel, wenn es steil bergab geht, geniessen wir abermals die tolle Landschaft.

 
 

Der Weg führt uns durch Pinienwälder an einen See, wo wir uns erfrischen können.  

Zum Abschluss des Tages machen wir noch einen Halt auf einer Farm und sehen zu, wie der Bauer den Tabak zu einer Zigarre rollt. 

 
 

Nach einem ausgezeichneten Nachtessen bei unseren Gastgebern trinken wir in einer Bar einen Mojito, das Nationalgetränk, und hören den typischen kubanischen Klängen zu, die von lokalen Gruppen zum Besten gegeben werden.

Wir bewundern die Hüftbewegungen der hübschen Mulattinnen zu den rhythmischen Salsaklängen und lehnen ihre Tanzaufforderungen höflich ab, weil wir daneben eine klägliche Figur abgeben würden.

Nach 3 sehr angenehmen Tagen führt uns die Reise weiter nach Havanna. Auch da wohnen wir bei einem Einheimischen, im letzten Stock eines ziemlich verfallenen Hauses, aber dafür Mitten im Herzen der Altstadt, dem Havanna Vieja.

 
 
Von der Terrasse aus haben wir eine Rundumsicht über die Stadt. Was wir sehen ist viel Trostlosigkeit, doch entdecken wir auch ein paar Bauten, die Dank der finanziellen Unterstützung der UNESCO renoviert wurden.  
Wir schlendern durch die Gassen, bestaunen Gebäude, Paläste und Kirchen und sind fasziniert von den Gegensätzen, die sich unseren Augen bieten.
 
 
   
   
El Capitolio, eine Kopie des amerikanischen Kapitols, und
   
   
   
extreme Gegensätz gleich gegenüber.
 
Ein Besuch der Zigarrenfabrik Partagas steht ebenfalls auf dem Programm. Leider dürfen wir keine Fotos machen: Herstellungsgeheimnis. Dafür können wir den ganzen Bearbeitungsprozess eins zu eins mitverfolgen. Es sind ungefähr 400 Torcedores (Tabakroller), die pro Tag rund 100 Zigarren herstellen. 
   
   
Die Stars kaufen ihre Zigarren im Conde de Villanueva - Hotel del Habano.
   

Im Gran Teatro haben wir das Vergnügen einer Oper von Verdi, La Traviata, beizuwohnen. Das Theater hat auch schon bessere Zeiten gesehen und benötigt dringend eine Renovation.

Die Dekorationen sind sehr spärlich und auch das Mobiliar ist sehr brüchig. Wir hatten immer Angst, dass das Bett von Violetta auseinander fällt, wenn sich der Arzt darauf setzte. Im Ganzen war es eine schöne Aufführung.

 
 

Oft werden wir von Jinteros, jung und gut gekleidet, auf französisch oder deutsch angesprochen. Die einen wollen uns falsche Zigarren verkaufen (Bananen- statt Tabakblätter), die anderen wollen uns die Stadt in ihren alten, aufgemotzten Chevrolets zeigen. Die süffigen Benzinmotoren wurden längst durch Dieselmotoren ersetzt.

Das Geld ist mit den Touristen leichter zu verdienen im Vergleich zum kläglichen Monatseinkommen, welches der Staat bezahlt (zwischen 20 und 30 konvertible Pesos). Ein Lächeln und ein einfaches «No Gracias» genügt in der Regel.

Die berühmte Promenade "Malecon", 80 Meilen von den USA entfernt.
 

 

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