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Grenadines

 

 

 

Die Entfernung zwischen Carriacou und Dominica beträgt 161 Meilen (299 km).

 

Dezember 2010 - Januar 2011

Die Kleinen Antillen bestehen aus Windward und Leeward Inseln (Inseln “über” und “unter dem Winde”). Von Grenada Richtung Norden bis nach Martinique segelt man einen leichten Nord-Nordost-Kurs. Die Passatwinde, welche zwischen 10 und 20 Knoten über die Inseln blasen, kommen mehr oder weniger aus Osten, deshalb nennt man diese Inseln bis nach Martinique Windward Inseln. Bis nach Martinique muss man also zwischen den Inseln oft  am Wind oder hart am Wind segeln. Erst nach Martinique biegen sich die Kleinen Antillen (Leeward Inseln) etwas gegen Westen, was ein einfacheres Navigieren zwischen den Inseln mit halbem oder vor dem Wind erlaubt.

Unser Segelboot mit Integralschwert hat nicht den Ruf, sehr gut am Wind/hart am Wind zu segeln. Zu unserer Überraschung sind wir aber ohne gross kreuzen zu müssen gut vorwärts gekommen (kreuzen = Zick-Zack-Kurs gegen den Wind).

Die Kanäle, also Passagen zwischen den Inseln, können manchmal schwierig zum Überqueren sein. Der Wind beschleunigt sich durch den Düseneffekt und nicht selten steigen die Passatwinde von 15 auf 30 Knoten. Das Meer beginnt sich unangenehm zu erheben. Oft entstehen kurze, steile Wellen, die über das ganze Schiff spritzen. Wir haben leider die Erfahrung gemacht und konnten nur noch zuschauen, wie Liter um Liter den Niedergang runter lief, weil wir vergessen hatten, diesen zuzuschieben. 

Traumhafter Ankerplatz vor der Insel Petit St. Vincent.

Souvenirladen, Gemüse- und Früchtemarkt in Clifton, Union Island.

Für viele Segler sind die Tobago Keys bei den Grenadines das Nonplusultra der Kleinen Antillen. Postkarten lassen mit türkisblauem Wasser, weissem Sandstrand und farbenprächtigen Fischen grüssen. Leider sind die Ankerplätze überfüllt und wir verbringen nur eine Nacht dort.  

Zu unserem Glück befinden sich unweit von den Keys noch ein paar wunderschöne, relative einsame Buchten. So verbringen wir einige Tage (u.a. Weihnachten) in der zauberhaften Chatham Bucht auf der Insel Union und schnorcheln mit den Fischen in der Rameau Bucht auf Canouan.

Chatham Bay

Tölpel

Über Radio Ponton erfuhren wir, dass es ganz nett wäre, in Bequia den Jahreswechsel zu verbringen. Also nichts wie hin. Wir ankerten in der Admirality Bucht und mit uns weit über 100 Boote, die wohl auch Radio Ponton hörten.  

Fröhliche Käppiverkäuferin auf Bequia.

Prosit Neujahr!

Wir sind umgeben von Mega-Yachten. Eine von denen hat sich den Neujahrsbeginn auch anders vorgestellt. Claudia beobachtete den Crash, welcher von plötzlich starkem Wind und Wellengang herbeigeführt wurde.

Der Ruf von St. Vincent litt in den letzten Jahren ziemlich. Sicherheitsprobleme waren unter anderem Gründe, warum die Segler einen Bogen um diese Insel machten. Trotzdem wagen wir den Abstecher, nachdem wir gelesen hatten, dass die Regierung strenge Massnahmen traf, um diesen Problemen entgegenzuwirken. Wir laufen die kleine, idyllische Bucht Petit Byahaut an und werden mit glasklarem Wasser und schönen Schnorchelgründen belohnt. 

Die Insel St. Vincent.

Gerne hätten wir auch in der Bucht von Wallilabou geankert, doch der eingehende Schwell liess die Boote für unseren Geschmack zu fest schaukeln. Schlussendlich setzen wir den Anker eine Meile nördlicher in der Cumberland Bucht und kehren mit dem Dinghi nach Wallilabou zurück, um Auszuklarieren. Die witzige Kulisse zum Dreh von "Pirates of the Caribbean" wurde grossteils stehen gelassen.

Cumberland Bay

Unsere nächste Etappe brachte uns zu den Pitons auf der Insel St. Lucia. Von Weitem sahen wir die beiden Hügel in den blauen Himmel ragen. Innerschweizer würden jetzt vielleicht sogar von ihren Hausbergen, den Mythen, reden.

Schon weit draussen wurden wir von einer schwer motorisierten Piroge empfangen. Der Einheimische bietet seine Dienste an und will uns beim Bojenmanöver behilflich sein. Doch dazu kommt es gar nicht, denn ein Charter Katamaran liess seine zwei Motoren sprechen, überholte uns volles Rohr und schnappte die Boje vor uns weg. Grrrr.

Der Bootsjunge verspricht uns eine andere Boje in der Malgré Tout Bucht, die kurz vor Souffrière liegt. Dieser kleine Service kostet 20 EC$ (ca. CHF 7.50) und dauert keine 3 Minuten. Weitere 10 EC$ müssen wir dem Jungen geben, der die Leine an Land fest macht – und dazu will jeder noch ein Bier. Kaum festgebunden, kommen schon andere Boat Boys daher und wollen Geschäfte machen. Sie bieten alles Mögliche an: Gemüse, (faule) Früchte, Fische, Langusten, Schmuck etc. an. Das Ganze ist auf die Dauer etwas mühsam, aber wenn man dankend ablehnt wird dies fast ohne Murren akzeptiert.

Fahrt in den Sonnenuntergang mit dem Club Med 2.

Das Dorf Souffrière auf der Insel St. Lucia.

Nicht nur im botanischen Garten zu sehen.

Im Grossen und Ganzen blieben wir aber von diesen aufdringlichen Boat Boys verschont, die vor allem auf den englisch sprechenden Inseln anzutreffen sind. Am Schlimmsten war es rund um die Pitons auf St. Lucia.

Dieses Gebaren existiert (noch) nicht auf den französischen Inseln und wir freuten uns deshalb sehr, Martinique zu erreichen. Hier trafen wir viele bekannte Gesichter aus Zeiten von Brasilien und Trinidad. Ja sogar ein Paar aus Genf, welches wir schon in Patagonien glaubten, lag in Le Marin vor Anker.

Das selbstgemachte Bündnerfleisch à la Marica muss 2 Wochen an der Luft trocknen.

Ein schöner Spaziergang führt von St. Anne in die Bucht ...

... Grande Anse des Salines.

Leider fanden wir kein Auto, um das Landesinnere besuchen zu können. Alle Agenturen meldeten bis Ende Februar « ausgebucht ». So suchten wir mehr Buchten auf und ankerten an zum Teil sehr schönen Plätzen wie St. Anne, Grande Anse d'Arlet, Anse Mitan, Fort de France und St. Pierre.

Petite Anse d'Arlet

Während den Schauern darf Claudia ans Ruder...

Fort de France

und das bunte Treiben in den Strassen

Bibliothek Schölcher

St. Pierre wird überragt von der Montagne Pelée. Derzeit ruht der Vulkan, doch am 8. Mai 1902 explodierte er und die Stadt brannte nieder. Innerhalb von Sekunden starben 30'000 Menschen. Nur ein Mensch überlebte die Katastrophe und zwar ein Trunkenbold, der in einer solide gemauerten Gefängniszelle eingesperrt war.

Die Zeit drängt, wir müssen weiter, denn Anfang Februar erhalten wir Besuch von unseren Müttern auf Guadeloupe und dazwischen liegt noch Dominica.

 

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